Offener Brief

Offener Brief an das Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam und das Exzellenzcluster Normative Ordnungen

Sehr geehrte Frau Prof. Dr. Schröter, sehr geehrter Herr Prof. Dr. Forst, sehr geehrter Herr Prof. Dr. Günther, sehr geehrte Damen und Herren,

am 26. Oktober 2017 wird die 8. Vortragsreihe des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam (das zum Exzellenzcluster Normative Ordnungen gehört) eröffnet. Die Reihe wird durch ein Referat des Vorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, zum „Polizeialltag in der Einwanderungsgesellschaft“ gehalten. Ausweislich des Programms wird Herr Wendt alleine einen Vortrag halten. Als Mitarbeitende u.a. der Goethe-Universität halten wir es für einen schweren Fehler und wissenschaftspolitisch nicht begründbar, dass mit Herrn Wendt einer Person ein prononcierter Zugang zum akademischen Feld gewährt wird, der sich in den vergangenen Jahren wiederholt fernab eines aufgeklärten Diskurses positioniert hat. Wir erwarten, dass Rainer Wendt keine Bühne an der Goethe-Universität Frankfurt geboten wird.

Das politische Projekt von Rainer Wendt zielt unter anderem maßgeblich darauf ab, die polizeiliche Praxis von verfassungsrechtlichen Selbstverständlichkeiten loszulösen. Er tritt zum Beispiel offensiv für ein Racial Profiling ein, eine rassistische Polizeipraxis, die wiederholt von Gerichten als rechtswidrig eingestuft wurde. Um sein politisches Projekt durchzusetzen, mobilisiert er gezielt Ressentiments gegen Migrant*innen. Im Kontext der Debatten über die aktuelle Flüchtlingspolitik hat Rainer Wendt immer wieder davon gesprochen, dass die Bundesrepublik Deutschland angeblich kein Rechtsstaat sei. Durch sein Buch mit dem vielsagenden Titel „Deutschland in Gefahr“, das die Kategorie Sachbuch in keinster Weise verdient hat, verstärkt er rassistische Denkstrukturen. Uns erschließt sich nicht, wie auf einer solchen Grundlage ein wissenschaftlicher Diskurs überhaupt möglich sein soll.

Rainer Wendt inszeniert sich als Polizist von der Straße, dabei ist er aktuell nicht in der Praxis tätig, sondern Chef der kleineren Polizeigewerkschaft, die nicht im DGB organisiert ist. Im März 2017 wurde bekannt, dass Rainer Wendt Beamtensold vom Bundesland Nordrhein-Westfalen erhalten hat ohne als Polizist zu arbeiten. Die diesbezügliche politische Affäre harrt noch einer endgültigen parlamentarischen und juristischen Aufarbeitung. Vor diesem Hintergrund erscheint fraglich, ob Rainer Wendt bezüglich des „Polizeialltags in der Einwanderungsgesellschaft“ wirklich ein Experte ist, der erkenntnisfördernde Erfahrungen oder Ansätze für einen wissenschaftlichen Diskurs liefern könnte. Im Übrigen ist Rainer Wendt innerhalb des Polizeiapparats höchst umstritten. Immer wieder gibt es lautstarke Stimmen, die darlegen, dass Herr Wendt keinesfalls für die Polizei spreche. Er ist aus unserer Sicht daher kein Gesprächspartner, um über den Polizeialltag ernsthaft zu diskutieren.

Gerade in Zeiten zunehmender Angriffe gegen Migrant*innen, People of Color und geflüchtete Menschen und in denen Rassismus wieder salonfähig geworden ist, darf die Goethe-Universität nicht hinter ihr Leitbild einer Universität, die sich gegen rassistische Diskriminierung wendet und für ein diskriminierungskritisches Studier- und Arbeitsumfeld einsetzt, zurückfallen, in dem sie diskriminierenden Diskursen eine Plattform bietet.

Wir wissen nicht, welche Gründe dazu geführt haben Rainer Wendt als Diskussionspartner einzuladen, ja nicht einmal ihm ein kritisches Gegenüber entgegenzusetzen. Wir erwarten aber, dass die von uns aufgezählten Gründe zu einer entsprechenden Konsequenz führen und die Veranstaltung mit ihm abgesagt wird.

 

Unterzeichner*innen:

Maximilian Pichl (Institut für Öffentliches Recht, Goethe-Universität Frankfurt)

Dr. Felix Hauf (Institut für Politikwissenschaft, Goethe-Universität Frankfurt)

Vanessa E. Thompson (Institut für Soziologie, Goethe-Universität Frankfurt)

Sarah Lenz  (Institut für Soziologie, Goethe-Universität Frankfurt)

Dr. des. Jonas Heller (Institut für Philosophie, Goethe-Universität Frankfurt)

Katharina Hoppe (Institut für Soziologie, Goethe-Universität Frankfurt)

Dr. Daniel Mullis (Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK))

Jonas Rüppel (Institut für Soziologie, Goethe-Universität Frankfurt)

Laura Schnieder (Institut für Soziologie, Goethe-Universität Frankfurt)

Cara Röhner (Institut für Öffentliches Recht, Goethe-Universität Frankfurt)

Sarah Mühlbacher (Institut für Sozialforschung an der Goethe Universität Frankfurt)

Andreas Engelmann (Institut für Öffentliches Recht, Goethe-Universität Frankfurt)

Prof. Dr. Daniel Loick (Fachbereich Gesellschaftswissenschaften)

Marina Martinez Mateo (Institut für Philosophie, Goethe-Universität Frankfurt)

Alexander Vorbrugg (Institut für Humangeographie, Goethe-Universität Frankfurt)

Felix Wiegand (Institut für Humangeographie, Goethe-Universität)

Melanie Schreiber (Institut für Soziologie, Goethe-Universität Frankfurt)

Robin Mohan (Goethe-Universität Frankfurt)

Sara Schmitt Pacífcio

Dr. Iris Dzudzek (Institut für Humangeographie, Goethe-Universität)

Dr. Sabine Flick (Institut für Soziologie, Goethe-Universität Frankfurt)

Maximilian Hellriegel (Institut für Humangeographie, Goethe-Universität Frankfurt)

Dr. Sebastian Schipper (Institut für Humangeographie, Goethe-Universität Frankfurt)

Dr. Mathias Rodatz (Institut für Humangeographie, Goethe-Universität Frankfurt)

Lucas Pohl (Institut für Humangeographie, Goethe-Universität Frankfurt)

Marie Diekmann (Institut für Sozialforschung/ Institut für Kriminalwissenschaften und Rechtsphilosophie, Goethe-Universität Frankfurt)

Dr. Christiane Schnell (Institut für Sozialforschung an der Goethe-Universität Frankfurt)

Almut Poppinga (Institut für Sozialforschung an der Goethe Universität Frankfurt)

Franziska Haug (Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik , Goethe Universität Frankfurt)

Dr. Andreas Folkers (Institut für Soziologie, Goethe-Uni Frankfurt)

Dr. des. Kristina Lepold (Institut für Philosophie, Goethe-Universität Frankfurt am Main)

Nicola Menzel (Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Goethe-Universität Frankfurt am Main)

Dr. Diethard Behrens

Prof. Dr. Hannelore Faulstich-Wieland (Fachbereich Allgemeine, Interkulturelle und International vergleichende Erziehungswissenschaft, Universität Hamburg)

Prof. Dr. phil. Werner Thole (Fachgebiet Erziehungswissenschaft, Schwerpunkt Soziale Arbeit & außerschulische Bildung, Universität Kassel)

Lisa Bogerts (Exzellenzcluster Normative Ordnungen)

Johanna Leinius (Exzellenzcluster Normative Ordnungen)

VDJ Frankfurt am Main und Region

Dr. Patrick Fütterer, Rechtsanwalt

Dr. Onur Suza Nobrega (Institut für Soziologie, Goethe-Universität, Frankfurt)

Dr. Felix Trautmann (Institut für Sozialforschung, Frankfurt)

AK Kritische Geographie Frankfurt

Darja Klingenberg (Institut für Soziologie, Goethe Universität Frankfurt am Main)

Ronan Kaczynski (Leibniz-Forschungsgruppe „Transnationale Gerechtigkeit“, Goethe-Universität Frankfurt)

Friedemann Neumann (Institut für Ethnologie, Goethe-Universität Frankfurt)

Nils-Philipp Ramme

PD Dr. Peter Wehling (Institut für Soziologie, Goethe-Universität Frankfurt)

Hille Herber (Bibliothekarin, Goethe-Universität/BzG)

Philip Wallmeier (Exzellenzcluster Normative Ordnungen)

Julia Victoria

Philipp Jacks (DGB-Stadtverband Frankfurt am Main)

Dr. des. Andrea Neugebauer (TU Darmstadt)

Daniel Gaziano (Goethe-Universität Frankfurt)

Dominik Feith (Institut für Soziologie, Goethe-Universität Frankfurt)

Dr. Felix Silomon-Pflug (Institut für Humangeographie, Goethe-Universität Frankfurt)

Jenny Künkel (Institut für Humangeographie, Goethe-Universität Frankfurt)

Franziska Vaessen (Cornelia Goethe Centrum, Goethe-Universität Frankfurt)

Norbert Dichter (Exzellenzcluster „Macromolecular Complexes“, Goethe-Universität Franfkurt)

Dr. habil. Nils Zurawski (Institut für kriminologische Sozialforschung, Universität Hamburg)

Prof. Dr. Rafael Behr (Akademie der Polizei Hamburg)

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